
Ursprünglich stand BARF für „Born Again Raw Feeders“, zu Deutsch etwa „wiedergeborene Rohfütterer“, ein Begriff, der von der Kanadierin Debbie Tripp geprägt wurde.
Später wandelte sich die Bedeutung zu „Bones and Raw Food“, also „Knochen und rohes Futter“. Heute steht BARF im deutschsprachigen Raum für „Biologisch Artgerechte Rohfütterung“.
Als Begründer der modernen BARF-Bewegung gilt der australische Tierarzt Dr. Ian Billinghurst. Er veröffentlichte 1993 sein Buch „Give Your Dog a Bone“, nachdem er bei eigenen Hunden gesundheitliche Verbesserungen durch rohe Fütterung beobachtet hatte.
Seither hat sich BARF zu einem festen Begriff in der Hundeernährung entwickelt, auch wenn Tierärzte und Ernährungsexperten die Methode bis heute unterschiedlich bewerten.
Das Beutetierprinzip beschreibt den Grundgedanken hinter allen BARF-Varianten: Die Rationsgestaltung soll nachbilden, was ein Wolf beim Erlegen eines Beutetiers fressen würde.
Ein typisches Beutetier besteht ungefähr zu
- 30 Prozent aus Muskulatur,
- 20 Prozent aus Haut und Fell,
- 19 Prozent aus Knochen,
- 16 Prozent aus dem Magen-Darm-Trakt,
- 3 Prozent aus inneren Organen,
- 3 Prozent aus Blut und
- 9 Prozent aus sonstigen Bestandteilen wie Zähnen, Augen oder Krallen.
Da Bestandteile wie Fell, Magen-Darm-Inhalt oder Blut in der Praxis kaum verfüttert werden, entstehen bei der Umsetzung des Beutetierprinzips häufig Lücken in der Nährstoffversorgung, die gezielt ausgeglichen werden müssen, damit es sich um eine ausgewogene Ernährung handelt.
Beim Prey Model Raw, kurz PMR, orientiert sich die Fütterung möglichst exakt am kompletten Beutetier.
Im Idealfall werden dabei ganze Beutetiere oder zumindest deren typische Anteile wie Fleisch, Knochen, Organe, Haut und Fell verfüttert, ganz ohne Gemüse, Obst oder Getreide.
Das Konzept verzichtet auf pflanzliche Zutaten, da diese in der natürlichen Ernährung von Wölfen und wildlebenden Hundeartigen keine große Rolle spielen.
Frankenprey ist eine Variante des Prey Model Raw und leitet den Namen von Frankenstein ab, weil hier ein „Beutetier“ künstlich aus verschiedenen Einzelteilen zusammengesetzt wird.
Statt eines kompletten Tieres werden unterschiedliche Fleischsorten, Knochen und Organe verschiedener Tiere kombiniert, um die Nährstoffzusammensetzung eines natürlichen Beutetiers möglichst gut nachzubilden.
Auch hier bleibt die Fütterung meist rein tierisch, ohne Gemüse oder Getreide.
Das von Ian Billinghurst entwickelte BARF-Konzept sieht eine deutlich vielfältigere Rationsgestaltung vor.
In einem Zeitraum von zwei Wochen empfiehlt Billinghurst beispielsweise
- 16-mal rohe, fleischige Knochen oder Fisch,
- viermal Gemüse, Ei, Hüttenkäse, Joghurt oder Obst,
- viermal Innereien, zweimal reines Fleisch sowie
- zwei Fastentage.
Dieses Modell ist bis heute die Grundlage für die meisten BARF-Rationen.

Die tägliche BARF-Menge richtet sich in erster Linie nach Körpergewicht, Alter und Aktivität des Hundes.
- Bei einem ausgewachsenen, gesunden Hund liegt der Richtwert bei etwa 2 bis 3 Prozent des Körpergewichts pro Tag.
- Welpen benötigen 4 bis 10 Prozent des Körpergewichts während der Wachstumsphase.
Ohne Zusätze funktioniert BARF nicht. Fleisch, Knochen, Gemüse und Obst allein können den Nährstoffbedarf eines Hundes nicht decken. Am besten lässt sich die passende Zusammenstellung gemeinsam mit einem Tierarzt oder Ernährungsberater klären.
Inzwischen sind auch viele fertige BARF-Ergänzungsmischungen auf dem Markt erhältlich.
Wichtig ist in jedem Fall ein hochwertiges Öl, etwa Lachsöl, als Quelle für Omega-3-Fettsäuren. Daneben sollte auf eine ausreichende Versorgung mit Eisen, Kalzium, Vitamin A, D, E und Jod, Zink, Kupfer und Mangan geachtet werden, da genau diese Nährstoffe in unausgewogenen BARF-Rationen häufig zu knapp ausfallen.
Rohfleischbasiertes Fertigfutter, das speziell für die Rohfütterung entwickelt wurde, kommt BARF vom Prinzip her am nächsten, da es ebenfalls rohe, unverarbeitete Zutaten enthält. Es enthält meist bereits alle Nährstoffe und ist portioniert.
BARF für Anfänger mit Hund ist möglich, erfordert aber gründliche Einarbeitung: Hundehalter übernehmen dabei die Verantwortung für eine bedarfsgerechte Zusammenstellung und sollten sich unbedingt vorab mit den Grundlagen vertraut machen, um Mängel oder eine Überversorgung zu vermeiden.
Wie häufig ein Hund am Tag gebarft werden sollte, hängt individuell vom Hund und dem Tagesablauf ab. Erwachsene, gesunde Hunde kommen meist gut mit zwei Mahlzeiten täglich zurecht. Welpen, Junghunde, Senioren und Hunde mit besonderen gesundheitlichen Bedürfnissen profitieren dagegen oft von mehreren kleineren Mahlzeiten über den Tag verteilt.
Die Einschätzungen zu BARF fallen unterschiedlich aus. Während einige Experten diese Fütterungsform befürworten, sind andere eher zurückhaltend. Der Grund: Ohne sorgfältige Planung kann es zu Nährstoffmängeln oder Überversorgungen kommen. Hinzu kommen Risiken wie Keimbelastung durch rohes Fleisch sowie Verletzungsgefahren durch Knochen.
Das lässt sich pauschal nicht beantworten, da sie von Rohstoffherkunft, Rohstoffqualiät, Hygiene und Zusammensetzung abhängt. Wichtig ist, auf bedarfsdeckende Rezepturen, sowie auf saubere Lagerung und Verarbeitung zu achten.
Die monatlichen Kosten hängen stark von der Größe des Hundes, den verwendeten Fleischsorten und der Bezugsquelle ab. Je nach Qualität und Anbieter können die Kosten deutlich variieren, weshalb sich ein individueller Kostenvergleich lohnt.
Dazu gibt es keine pauschale Antwort, da die Eignung individuell vom Hund, seinen Bedürfnissen und eventuellen Unverträglichkeiten abhängt.
BARF ist bei fachlich korrekter Umsetzung weder grundsätzlich gesünder noch ungesünder als anderes Futter. Entscheidend ist eine bedarfsgerechte, gut geplante Rationsgestaltung, da unausgewogene BARF-Rationen ein erhebliches Risiko für Mangelerscheinungen bergen.
Der Preis pro Kilogramm variiert je nach Fleischsorte, Qualität und Bezugsquelle stark, von günstigeren Rohstoffen bis zu hochwertigem Fleisch in Lebensmittelqualität.
Gegen BARF sprechen vor allem das Risiko einer Fehlversorgung oder einer Mangelversorgung, die Gefahr einer Keimübertragung durch rohes Fleisch sowie Verletzungsrisiken durch Knochen.
Das kann verschiedene Gründe haben, etwa eine veränderte Zusammensetzung, gesundheitliche Beschwerden oder einfach individuelle Vorlieben.
Zu den zentralen Nachteilen zählen das Risiko von Mängeln an Vitaminen und Mineralstoffen, eine mögliche Keimbelastung durch rohes Fleisch, Verletzungsgefahren durch Knochen und der hohe Zeit- und Planungsaufwand.
Korrekt umgesetzt ist BARF nicht automatisch gesünder als hochwertiges Trockenfutter. Beide Fütterungsarten können den Nährstoffbedarf eines Hundes decken, sofern sie bedarfsgerecht zusammengestellt sind.