
„In dieser Rubrik kommen unsere Tierärzte zu Wort – Experten, die sich seit Jahren mit gesunder Hundeernährung beschäftigen. Sie beantworten Fragen rund um die Hundegesundheit – und zeigen, welche wichtige Rolle die Ernährung dabei spielt."
Hundeernährung: Was stimmt wirklich – und was nicht?
Wenn es um die richtige Ernährung von Hunden geht, haben viele Leute viel Meinung: „Kein Getreide!" „Viel Fleisch!", „Der Hund stammt vom Wolf ab und muss auch so gefüttert werden!"
Die Wahrheit ist: Beim Thema Hundeernährung kursieren viele Halbwahrheiten und hartnäckige Mythen. Manche halten sich seit Jahrzehnten, obwohl sie wissenschaftlich längst widerlegt sind.
In diesem Artikel schauen wir uns 10 häufige Mythen ganz genau an. Du bekommst nicht nur klare Antworten, sondern auch ein besseres Verständnis dafür, was eine artgerechte Ernährung beim Hund wirklich bedeutet.
Mythos 1 in der Hundeernährung: Getreide im Hundefutter ist schlecht
Oft hört man, Getreide sei für Hunde unverdaulich und habe in gesundem Hundefutter nichts zu suchen. Also stellen sich viele Hundehalter die Frage: Ist Getreide im Hundefutter gut oder schlecht?
Für die Antwort kommt ein entscheidender Hinweis aus der Studie von Erik Axelsson (Universität Uppsala, 2013). In dieser Untersuchung wurden die vollständigen Genome von Hunden und Wölfen bestimmt und miteinander verglichen. Dabei wurden 36 genomische Regionen identifiziert, die sich während der Domestizierung des Hundes verändert haben.
Das Genom ist die Gesamtheit des Erbguts in einer Zelle, quasi der vollständige Bauplan eines Lebewesens.
Dabei zeigte sich Folgendes: Hunde besitzen im Vergleich zu Wölfen deutlich mehr Kopien von Genen, die für die Stärkeverdauung zuständig sind, insbesondere das Amylase-Gen. Während Wölfe im Schnitt 2 Kopien dieses Gens besitzen, haben Hunde bis zu 30 Kopien.
Amylase ist ein Enzym, das Stärke in Zucker aufspaltet: Genau das ist bei der Verwertung von Getreide nötig. Zusätzlich haben Hunde Gene für das Enzym Maltase-Glukoamylase entwickelt, das ebenfalls Stärke abbaut und bei reinen Fleischfressern nicht vorkommt, bei Allesfressern aber schon.
Die genetische Anpassung entstand vermutlich vor rund 10.000 Jahren, als Wölfe in der Nähe menschlicher Siedlungen lebten und Zugang zu stärkehaltiger Nahrung wie z. B. Getreideresten hatten. Mit der Zeit setzte sich diese Fähigkeit durch, weil sie einen Überlebensvorteil bot.
Das bedeutet: Der Unterschied zwischen Wolf und Hund ist größer, als viele denken. Auf die Frage „Stammt der Hund vom Wolf ab?" lautet die Antwort zwar grundsätzlich ja. Aber Hunde von heute sind keine Wölfe mehr, weder im Verhalten noch im Stoffwechsel. Hunde sind biologisch gesehen Alles- und Fleischfresser. Ihr Verdauungssystem ist auf stärkehaltige Nahrung ausgelegt.
Getreide im Hundefutter bringt echte Vorteile mit:
- Liefert schnell verfügbare Energie durch Kohlenhydrate und Stärke
- Enthält Ballaststoffe für eine gesunde Verdauung
- Bringt Vitamine (z. B. B-Vitamine) und Mineralstoffe (z. B. Magnesium) mit
Wichtig: Nur erhitztes (aufgeschlossenes) Getreide ist für Hunde gut verdaulich und verwertbar. Roh kann der Hund die Stärke kaum aufschließen.
Manche Getreidesorten enthalten viel Gluten, andere nur wenig oder sogar gar keins:
- Glutenhaltig: Weizen, Gerste, Roggen, Dinkel sind häufig Auslöser von Allergien oder Unverträglichkeiten.
- Glutenfrei bzw. glutenarm: Reis, Mais, Hirse, Hafer sind in der Regel besser verträglich.
Bei Hunden mit bekannten Allergien oder Unverträglichkeiten sollte auf Getreide verzichtet werden. Für gesunde Hunde ist Getreide in angemessenen Mengen jedoch kein Problem. Das Getreide ist dabei nur ein Teil der gesamten Fütterung des Hundes.
Wichtig ist also nicht „mit oder ohne Getreide", sondern die Qualität und Zusammensetzung des Futters und natürlich, was deinem Hund individuell guttut. Wenn dein Hund Getreide nicht verträgt, kannst du auf unsere getreidefreien Rezepte zurückgreifen.
Zu den getreidefreien Rezepten
Mythos 2 in der Hundeernährung: Kohlenhydrate für Hunde, nur billige Füllstoffe?
Braucht ein Hund Kohlenhydrate? Diese Frage taucht immer wieder auf. Viele Hundehalter befürchten, Kohlenhydrate seien automatisch nur billige Füllstoffe.
Tatsächlich sind Kohlenhydrate ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung: Sie sind eine wertvolle Energiequelle, die außerdem die Verdauung und die Darmgesundheit unterstützt.
Die eigentliche Frage ist also nicht, ob Kohlenhydrate grundsätzlich in Hundemahlzeiten gehören, sondern welche, wie viel und wie gut aufbereitet sie sind. Der Bedarf an Kohlenhydraten ist individuell und hängt unter anderem von Alter, Aktivitätslevel und Gesundheitszustand ab.
Zu den gut verträglichen Kohlenhydratquellen für Hunde gehören Kartoffeln, Süßkartoffeln, Reis, Haferflocken, Hirse, Nudeln sowie Pseudogetreide wie Quinoa und Amaranth. Diese Lebensmittel liefern vor allem Stärke als schnell verfügbare Energie und bringen je nach Quelle zusätzlich Ballaststoffe, Mineralstoffe oder weitere Nährstoffe mit:
- Kartoffeln und Süßkartoffeln: gut verträglich, liefern Energie; Süßkartoffeln und Kartoffeln sind zudem kaliumreich.
- Reis: leicht verdaulich und häufig Bestandteil von Schonkost bei Magen-Darm-Problemen.
- Quinoa und Amaranth: glutenfreie Pseudogetreide, reich an Eiweiß, Mineral- und Ballaststoffen.
Damit Hunde Kohlenhydrate optimal verdauen können, muss die Stärke immer gut aufgeschlossen sein. Das bedeutet: Reis, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Nudeln & Co. sollten weich bis sehr weich gekocht werden, denn erst durch Wasser und Hitze quillt die Stärke auf und wird für den Hund verträglich und verwertbar.
Gut zu wissen: In unseren Rezepten sind Kohlenhydrate so bilanziert, dass sie genau zum Tagesbedarf deines Hundes passen.
Mythos 3 in der Hundeernährung: Der Hund muss wie ein Wolf gefüttert werden
Stammt der Hund vom Wolf ab? Ja. Sollte der Hund wie ein Wolf ernährt werden? Nicht unbedingt. Vor allem nicht in der vereinfachten Annahme, dass sich ein Wolf ausschließlich von rohem Fleisch ernährt.
Auch Wölfe fressen nicht nur Muskelfleisch. Sie nehmen ganze Beutetiere auf – inklusive Innereien, Knochen, Fett und teilweise pflanzlicher Bestandteile.
Der Unterschied von Wolf und Hund ist heute deutlich größer, als viele denken. Durch die Domestizierung vom Hund hat sich neben seinem Verhalten auch sein Stoffwechsel deutlich verändert, siehe auch die Studie dazu beim Mythos „Getreide im Hundefutter ist schlecht".
Aus dem Wolfsvergleich wird oft abgeleitet, dass rohes Fleisch grundsätzlich die beste Wahl sei. Das stimmt so nicht. Hunde können sowohl mit rohem als auch mit gekochtem Futter ausgewogen ernährt werden, entscheidend ist die Gesamtzusammensetzung.
Gekochtes Futter hat Vorteile: Es ist hygienisch sicherer und für viele Hunde besser verdaulich. Gerade Kohlenhydrate wie Reis oder Kartoffeln und Gemüse und Obst werden durch Kochen erst optimal nutzbar.
Eine artgerechte Ernährung vom Hund orientiert sich nicht am Wolf, sondern am heutigen Hund. Und das bedeutet: bedarfsdeckend, ausgewogen und individuell angepasst. Je nach Hund gehören dazu Fleisch, Innereien, Gemüse und auch Kohlenhydrate.
Sinnvoll ist nicht der Blick zurück zum Wolf, sondern der Blick auf das, was dein Hund heute wirklich braucht.
Mythos 4 in der Hundeernährung: Magendrehung beim Hund lässt sich mit Rohfütterung verhindern
Die Magendrehung beim Hund ist ein lebensbedrohlicher Notfall. Wie entsteht eine Magendrehung beim Hund? Der Magen dreht sich um seine eigene Achse, was den Ein- und Ausgang vollständig blockiert. Die Blutzufuhr wird unterbrochen und Gase können nicht mehr entweichen. Ohne sofortige Behandlung kann das tödlich enden. Viele glauben, dass Rohfütterung, das so genannte BARF, davor schützt.
Das ist so nicht belegt. Wichtiger sind andere Faktoren:
- große Futtermengen auf einmal
- hastiges Fressen
- starke Bewegung direkt nach dem Fressen
- Genetik: Vor allem große Hunde mit einem tiefen Brustkorb haben rein statistisch ein hohes Risiko
Was bei einer Magendrehung passiert und wie du vorbeugen kannst, erklärt dir Tierärztin Hanna im Video:
Ein weiterer Punkt, der oft diskutiert wird, ist die Verträglichkeit von rohem gegenüber gekochtem Fleisch. Beim Erhitzen kommt es zur sogenannten Maillard-Reaktion. Dabei reagieren Eiweiße (Proteine) und Zucker miteinander und verändern ihre Struktur. Das sorgt nicht nur für einen intensiveren Geruch und Geschmack, sondern kann auch die Verdaulichkeit beeinflussen.
Einfach erklärt: Durch das Garen werden Eiweiße „aufgeschlossen". Für manche Hunde ist Fleisch dadurch besser verträglich, weil der Körper die veränderten Proteine besser verarbeiten kann als im rohen Zustand.
In unserer RezeptWelt findest du sowohl BARF-Rezepte als auch gekochte Alternativen, immer individuell bedarfsdeckend berechnet für deinen Hund.
Mythos 5 in der Hundeernährung: Futter mit hohem Fleischanteil ist gutes Futter
Je mehr Fleisch, desto hochwertiger das Futter. Davon sind immer noch viele Hundehalter überzeugt. Das stimmt so nicht. Der Hund ist ein Omni-Karnivor. Das heißt, er ist kein reiner Fleischesser. Er braucht Proteine, und die müssen nicht unbedingt aus Fleisch kommen. Auch Fisch, Eier, Milchprodukte und Hülsenfrüchte liefern wertvolles Eiweiß.
Worauf es wirklich ankommt:
- die richtige Menge an Protein
- die Balance aller Nährstoffe
- die individuelle Anpassung
Ein Welpe braucht etwas anderes als ein Senior. Ein aktiver Hund etwas anderes als ein gemütlicher Sofabär. Entscheidend ist die Nährstoffbalance, nicht die Fleischmenge.
Deshalb findest du bei uns auch Rezepte mit reduziertem Fleischanteil, vegetarische Rezepte und Fisch-Rezepte. Und ganz wichtig: Jedes Rezept wird individuell auf die Bedürfnisse deines Hundes angepasst.
- Zu Rezepten für den Hund mit reduziertem Fleischanteil
- Zu vegetarischen Rezepten für den Hund
- Zu Rezepten mit Fisch für den Hund
Mythos 6 in der Hundeernährung: Trockenfutter reinigt die Zähne
Das wäre schön und super praktisch, ist aber leider ein Mythos. Zum einen: Der erhoffte Abriebeffekt ist minimal: Hunde sind Schlingfresser und kauen kaum. Trockenfutter für Hunde wird also oft schnell geschluckt. Außerdem können kohlenhydratreiche Reste die Plaquebildung fördern. Wirkliche Zahnpflege bieten nur spezielle Zahnputz-Trockenfuttersorten, Kauartikel oder manuelle Zahnpflege.
Mythos 7 in der Hundeernährung: Hunde sollen nur einmal täglich fressen
Viele Hundehalter fragen sich: „Wie oft Hunde füttern am Tag?" Dazu gibt es keine pauschale Antwort. Erwachsene Hunde sollten im Regelfall zweimal täglich gefüttert werden, um den Magen zu schonen und den Blutzuckerspiegel stabil zu halten. Welpen benötigen eher 3 bis 4 Mahlzeiten, da ihr Verdauungssystem noch sensibler ist. Senioren schätzen ebenso mehrere kleine Portionen, da sie oft nicht mehr so viel auf einmal essen wollen.
Auch kleine Hunde haben oft einen schnellen Stoffwechsel und profitieren von drei Mahlzeiten am Tag.
Mehrere Mahlzeiten auf den Tag aufgeteilt sorgen für:
- stabile Energie durch gleichmäßigen Blutzuckerspiegel
- bessere Verdauung
- weniger Stress für den Magen
Mythos 8 in der Hundeernährung: Je kleiner der Haufen, desto besser das Futter
Ein kleiner Kothaufen oder nur einmaliger Stuhlgang pro Tag wird oft als Zeichen für hochwertiges Futter gesehen. Auch das ist so nicht richtig.
Ein gesunder Hund setzt in der Regel ein- bis dreimal täglich Kot ab. Das kann je nach Rasse, Größe des Hundes, Ernährung, Tagesrhythmus, Aktivität und individuellem Stoffwechsel variieren.
Die Menge Kot pro Stuhlgang ist individuell und hängt unter anderem vom Fasergehalt und dem Wassergehalt der Mahlzeiten ab.
Auch die Menge von Ballaststoffen und Fasern spielt eine Rolle, je mehr davon, desto mehr Kot. Beides ist in selbstgekochten Menüs meist mehr enthalten als in Fertigfutter.
Die Kotmenge allein sagt also wenig aus. Neben der Menge spielen auch die Konsistenz und die Farbe eine Rolle.
Du bist unsicher, was den Output deines Hundes angeht? Dann schau dir unseren Artikel zum Thema Hundekot an.
Zum Blogartikel „Wie sollte Hundekot aussehen?"
Mythos 9 in der Hundeernährung: Der Hundemagen tötet alle Keime ab
Da ist ein Fünkchen Wahres dran, aber eben nur ein Fünkchen. Der Magen des Hundes ist im Vergleich zum Menschenmagen deutlich saurer, was tatsächlich einen wirksamen Schutz gegen viele Keime darstellt. Zu hundert Prozent funktioniert dieser Mechanismus aber nicht.
Salmonellen, Listerien und andere säureresistente Bakterien können den Magen des Hundes durchaus passieren, ohne abgetötet zu werden.
Auch wenn solche Keime dem Hund nicht zwangsläufig schaden, können sie für uns Menschen ein Problem sein. Hunde können Erreger über rohes Fleisch oder rohen Fisch aufnehmen, selbst gesund wirken und die Keime trotzdem über Speichel, Fell, Kot, Näpfe, Spielzeug oder den Futterplatz im Haushalt verteilen.
Besonders gefährlich ist das für Risikogruppen wie kleine Kinder, ältere Menschen, Schwangere und immungeschwächte Personen. Bei ihnen können schon geringe Keimmengen deutlich schwerere Infektionen auslösen als bei gesunden Erwachsenen.
Deshalb gilt: Beim Füttern immer auf gute Hygiene achten, ganz besonders bei rohem Fleisch und Fisch. Hände, Näpfe, Oberflächen und Küchenutensilien sollten nach dem Kontakt gründlich gereinigt werden, damit sich Keime nicht in der Wohnung verbreiten.
Mythos 10 in der Hundeernährung: Hunde wissen instinktiv, was gut für sie ist
Schön wär's. Doch leider nein. Wer kennt nicht den Hund, der haufenweise Schnee in sich hineinbaggert und danach Bauchschmerzen hat. Den Vierbeiner, der vom Tisch mal eben die Pralinen stibitzt.
Die meisten Hunde würden völlig unbesorgt Dinge futtern, die für sie unverträglich oder sogar hochgiftig sind, zum Beispiel Schokolade, Trauben oder den Braten in Zwiebelsoße.
Und weil Hunde eben nicht unbedingt wissen, was gut für sie ist, müssen wir als Frauchen oder Herrchen gut auf sie aufpassen. Damit du auf einen Blick sehen kannst, welche Lebensmittel für deinen Hund giftig sind, haben wir dazu einen Blogartikel verfasst, inklusiver einer bebilderten Übersicht zum Download.
Zum Blogartikel „Was ist giftig für Hunde"
Fazit: Die beste Hundeernährung ist individuell und ausgewogen
Wenn es um Hundeernährung geht, gibt es keine einfachen Schwarz-Weiß-Antworten.
Eine ausgewogene Ernährung besteht aus frischen Zutaten, ist bedarfsdeckend und individuell an die Bedürfnisse deines Hundes angepasst.
Möchtest du tiefer ins Thema Ernährung einsteigen? Dann schau dir unseren Blogartikel dazu an. Zum Blogartikel „Gesunde Hundeernährung: lang lebe dein Hund!"





